Tierische Zahnpflege – Sinn oder Unsinn? PDF Drucken E-Mail
Neulich sah ich in einem Tiergeschäft ein Zahnpflegeset für Hunde. Es beinhaltete – in klinischer Aufmachung – eine so genannte „Finger-Zahnbürste, eine Massagebürste für die Vorderzähne und eine weitere für die Backenzähne. Anbei lag die – allen Anschein nach dringend erforderliche – Zahnpasta mit dem unvermeidlichen Geschmack nach Minze. Die Besitzerin des Geschäftes interpretierte meine offenkundige Neugier, als Kaufinteresse und schickte sich an, mir dieses Produkt wärmstens empfehlen zu wollen. Ich blickte auf ihr breites Angebot an Dosenfutter und konnte mir eine kleine Ketzerei nicht verkneifen. Das überdimensionale Angebot an ungesundem Weichfutter, meinte ich, zöge bestimmt noch weit mehr hinter sich her, als nur die Zahnbürste für Hunde und Katzen. Doch die Dame erwies sich als clever, und ohne mit der Wimper zu zucken, zog sie aus einem Regal, dicht an der Kasse, triumphierend einen Kauriegel, mit der erklärenden Aufschrift, es handele sich hier um einem Zahnbürstenersatz, selbstverständlich mit dem, augenscheinlich nicht zu umgehenden, Minzegeschmack. Auf letzteren angesprochen, ließ sie mich - unbeirrt strahlend - wissen, dass diesen Hunde, Katzen und Menschen gleichermaßen liebten.

Nun, ich habe, um es vorweg zu nehmen, dem Kauf des Zahnpflegesets widerstehen können, und die letztere Behauptung habe ich in Natura anschließend im heimischen Garten, zumindest was den Hund anbelangt (Katze stand gerade nicht zur Verfügung), als alberne Behauptung abtun können. Nichtsdestotrotz hatte mich diese kleine Entdeckung für meinen heutigen Wochenartikel inspiriert. Macht die tierische Zahnpflege Sinn, oder sitzt unsereins nur mal wieder einer, der unzähligen Werbetricks, der Industrie auf? Um es gleich zu beantworten: Ja es macht Sinn, und ja, man sollte das Gebiss seines vierbeinigen Gefährten öfter einer kritischen Inspektion unterziehen. In meinem Artikel, zu finden im Inhaltsverzeichnis unter „ Ein paar kritische Anmerkung zum Fertigfutter“, hatte ich bereits über die positive Auswirkung eines artgerechten Futters, auch auf das Gebiss des Hundes, berichtet. Somit erklärt sich auch mein Seitenhieb auf die breite Angebotspalette an Weichfutter, des obig erwähnten Tiergeschäftes. Wer seinem Hund Zeit seines Lebens mit Dosenfutter ernährt, der richtet nicht nur Schäden an der der organischen Gesundheit seines Tieres an, er provoziert auch die Bildung von Zahnstein und all ihren – später noch aufgeführten – negativen Folgeerscheinungen. Was fehlt ist der Abrieb von Zahnbelag. Aus diesem Grund ist es wichtig, wenn man bei der industriell hergestellten Tiernahrung bleiben möchte, auf gutes Trockenfutter umzustellen.

Rohe Knochen sind von jeher die besten Zahnbürsten, denen sich Wolf, Fuchs und Dingo genauso bedient, wie Hunde, die in den Genuss der artgerechten Fütterung kommen. Und dennoch gibt es Rassen, die eine naturgegebene Neigung zu Zahnerkrankungen haben. Hiervon sind in der Regel die kleinen Hunderassen betroffen. Häufig fallen die Milchzähne nicht aus, dann schieben sich die nachkommenden Zähne an diesen vorbei, und Fehlstellungen, die mit schmerzhaften Folgen einhergehen, sind vorprogrammiert.

Zahnsteinbildungen werden häufig unterschätzt. Sie entstehen durch die Ansammlungen von Bakterien, die sich zu Futterresten und Speichelbestandteilen gesellt. In der Vorstufe ist Zahnstein ein weicher Plaque, der sich ohne Probleme noch entfernen lässt. Das kann Hund sogar selber erledigen, gibt Mensch ihm die Möglichkeit, durch Abnagen und Zerbeißen von Knochen oder Kaustangen, den noch weichen Plaque zu entfernen. (Wenn es denn nun unbedingt sein muss, können Sie auch gerne ein Minzeblättchen aus dem heimischen Blumenkübel, beifügen….) Schreitet die Zahnsteinbildung aber ungehemmt fort, lagern sich in dem Plaque Mineralien ein, die zu einer extremen Verhärtung des Zahnbelages führen. Und damit nicht genug. Als weiter Folge einer unbehandelten Zahnsteinbildung, kommt es zu einer Zahnfleischentzündung, da sich der Zahnstein unter das Zahnfleisch schiebt. Im schlimmsten Fall kommt es dann zu Eiterungsprozessen und einer schmerzhaften Lockerung der Zähne. Ähnlich einem Sandpapier schmirgelt dabei unaufhörlich der raue Belag an der Backenschleimhaut, wodurch diese unweigerlich verletzt wird und sich entzündet. Damit werden diese Stellen ideale Eintrittspforten für Krankheitserreger, die ohne Schwierigkeiten nun in die Blutbahn gelangen und die Organe befallen können.

Das Problem ist, dass der Mensch von den schlimmen Leiden seines Vierbeiners oft erst dann etwas ahnt, wenn es schon zu spät ist. Ein schlechter Atem oder die Verweigerung von Futter sind zu späte Signale. In diesem Stadium sind bereits Millimeter dicke Zahnbeläge und ausgedehnte Zahnfleischentzündungen vorhanden, die nur noch unter Narkose entfernt werden können. Die Narkose weist nicht unbedingt auf eine schmerzhafte Behandlung hin, sie dient vielmehr der Ruhigstellung des Tieres, und ähnelt im Grunde der, der menschlichen Zahnbehandlung.

Aber solche Eingriffe müssen nicht sein, beachtet man die tierischen Regeln, die unter anderen ein kleines Nein zu Süßigkeiten bedeuten. Insbesondere Schokolade sei noch einmal warnend erwähnt. Sie ist für den Hund reines Gift, und zwar nicht nur für sein Gebiss. Grundsätzlich gehört nichts Süßes - bis auf Honig – in des Hundes Futternapf. Rohes Gemüse, Büffelhautknochen, rohe Knochen (Achtung, nichts vom Schwein und nicht zu feste Markknochen, die könnten zu Verletzungen führen), oder getrocknetes Lammfleisch, Pansen, Schweineohren, was auch immer Sie in diesem Bereich finden, sind erstklassige Zahnbürsten für unsere Hunde.

Trotzdem gibt es – wie bereits eingangs erwähnt – Hunde, die eine besondere Veranlagung zur Zahnsteinbildung haben, trotz artgerechter Ernährung. Und hier kommt sie dann doch ins Spiel, die Zahnbürste. Allerdings können Sie die Zahncreme ruhig vergessen, die brauchen sie nun wirklich nicht. Worauf es ankommt, sind die mechanischen Bewegungen, die den Abrieb der Plaque bewirken. Auch auf die raffiniert ausgeklügelten Finger-Zahnbürsten können Sie dankend verzichten, und erst recht brauchen sie nicht unterschiedliches Putzwerkzeug für Backen- und Vorderzähne. Eine einfache, klassische Zahnbürste tut es auch. Ist das Prozedere für Ihren Hund ein Novum, werden Sie – je nach Charakter – entweder auf verdutzten Widerstand, oder begeisterten Spieltrieb stoßen. Wenn Sie von früh auf ihren Hund an regelmäßigen Zahncheck gewöhnt haben, wird er diesen geduldig über sich ergehen lassen.

Ein weiteres Problem sind abgebrochenen Zähne. Das passiert schnell. Vor vielen Jahren hatte sich meine Schäferhündin einen Reißzahn um die Hälfte abgeschlagen. Sie hatte im Spiel mit dem Nachbarskind versucht, die großen Steine aus der Luft aufzufangen, die dieses ihr zuwarf. Aber es sind nicht nur Wurfspiele mit Steinen, die das Gebiss erheblich verletzten können. Dicke Äste, die voller Elan in freiem Wurf aufgefangen und zerbissen werden, lassen die Zahnspitzen ebenso absplittern und verletzten die Mundschleimhaut, was wiederum zu Entzündungen führen kann. Und auch die heiß geliebte Filzkugel, der Tennisball, kann verheerende Folgen haben. Er saugt sich mit Speichelflüssigkeit voll. Sand, Staub und kleine Splitter bleiben dauerhaft hängen und betätigen sich als Schmirgelpapier auf den Zähnen.

Als Fazit bleibt die Erkenntnis: Die Ernährung ist das A und O, zudem ein wenig Obacht in der Auswahl des Spielzeuges und ab und zu eine Zahnkontrolle, im vernünftigen Rahmen, sind die Voraussetzungen für Ihren Vierbeiner – egal ob Katze oder Hund – damit dieser auch morgen noch kraftvoll zubeißen kann.
 
 

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